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Über den Autor und weitere Mitwirkende
Ralf Stabel, geboren 1965 in Berlin, Publizist und promovierter Historiker, ist Leiter der Staatlichen Ballettschule Berlin und Schule für Artistik sowie Professor an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« Berlin. Bei Henschel veröffentlichte er u.a. die erste große Palucca-Biografie, Noverres »Briefe über die Tanzkunst« sowie »Rote Schuhe für den Sterbenden Schwan. Tanzgeschichte in Geschichten«, in dem er aus der jahrtausendealten Geschichte des Tanzes eine Reihe besonderer Ereignisse herausgreift, die bisher eher tabuisiert als thematisiert wurden. Sein Buch »IM Tänzer« enthüllte die Stasi-Verstrickungen von Tänzerinnen und Tänzern an ostdeutschen Bühnen.
Produktinformation
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Henschel; Auflage: 1 (17. Februar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 389487757X
ISBN-13: 978-3894877576
Größe und/oder Gewicht:
14,4 x 2,2 x 22,4 cm
Durchschnittliche Kundenbewertung:
5.0 von 5 Sternen
2 Kundenrezensionen
Amazon Bestseller-Rang:
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Mit seiner Monografie 'Alexander von Swaine. Tanzende Feuerseele' holt Ralf Stabel den Ausnahmetänzer aus der Vergessenheit zurück. Obwohl der Autor ihn nie auf der Bühne erlebte, nie mit ihm gesprochen hat, ist ihm mit dem vorliegenden Buch eine spannende Aufzeichnung der Lebensgeschichte dieses 'Jahrhundert-Tänzer' gelungen. Für dieses Prädikat hat sich von Swaine nicht nur durch sein langes Leben (geboren 1905 in München, gestorben 1990 in Cuernavaca, Mexiko) sondern auch durch seine künstlerischen Erfolge qualifiziert.'Die Kritiker überboten sich in Superlativen, verglichen ihn mit Harald Kreutzberg oder Vaslav Nijinsky - und gaben meist von Swaine den Vorzug", schreibt Ralf Stabel. Warum also ist gerade Letztgenannter nicht in der tanzkulturellen Erinnerung geblieben? Die Gründe liegen wohl in seiner Abwesenheit in entscheidenden Momenten, etwa zur Zeit der Olympischen Spiele 1936, an deren Eröffnung Größen wie Wigman, Laban, Kreutzberg oder Riefenstahl teilnahmen, nicht aber von Swaine. Der saß zu dieser Zeit im Gefängnis wegen 'widernatürlicher Unzucht'. Während der NS-Zeit, in der viele deutsche Ausdruckstänzer weiterhin tanzten und unterrichteten, war er als Feind im damaligen Niederländisch-Indien, heutigen Indonesien in Haft. (Dort war er vor Kriegsausbruch mit der Österreicherin Rosalia Chladek auf Tournee, die noch rechtzeitig mit dem Schiff nach Wien zurückkehren konnte.) Kaum ein Tänzer unternahm so ausgedehnte Tourneen wie er, doch das wurde in Deutschland kaum wahrgenommen, auch wenn er bei seinen dortigen Auftritten von Presse und Publikum hymnisch gefeiert wurde. Schließlich wanderte von Swaine 1965 nach Beendigung seiner Bühnentanzkarriere nach Mexiko aus und war in der europäischen Wahrnehmung nicht mehr präsent ' aus den Augen, aus dem Sinn. Erstaunlich, denn laut Stabel war von Swaine 'einer der ersten supranationalen Tanzstars. Zu vergleichen in dieser Hinsicht im besten Fall mit Anna Pawlowa.'Seinen Erfolg verdankte Alexander von Swaine nicht nur seinem künstlerischen Talent, sondern auch der materiellen Unabhängigkeit, die ihm die Abstammung aus einer reichen Familie, ermöglichte. Der Sohn adeliger Eltern wächst aufgrund der Abstammungsgeschichte seiner Vorfahren und den Geschäften seines Vaters quasi seit Geburt in einer international ausgerichteten Umgebung auf. Sein Vermögen ermöglicht ihm auch in den Anfangsjahren seiner künstlerischen Laufbahn ein finanziell sorgenfreies Auskommen. Seine Ausbildung beginnt er als Zwanzigjähriger bei dem Laban-Schüler Botjo Markoff in Berlin, der sein Talent erkennt und ihn zur russischen Ballerina Eugenia Eduardowa in Berlin vermittelt, wo er vier Jahre lang klassisches Ballett trainiert. Später kreiert er als Podiumstänzer seine eigenen Stücke zwar im Stil des Ausdruckstanzes, doch seine klassische Grundlage wird ihn zu einem der herausragendsten Tanzinterpreten seiner Zeit machen. 'Er war einer der ersten, die das praktizierten, was den Bühnentanz in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einer großartigen Renaissance führen sollte: die Symbiose von Klassik und Moderne.'Ralf Stabel hat in seinen Recherchen versucht, die vielfältigen Aspekte, die diesen schillernden Künstler in seinen unterschiedlichen Lebensphasen ausmachen, herauszuschälen. Er hat in Archiven minutiös recherchiert ' seinen 'Nachlass' hat Alexander von Swaine noch zu seinen Lebzeiten an das Deutsche Tanzarchiv von Kurt Peters übergeben ' und die Lebensgeschichte des 'Jahrhundert-Tänzers' untermauert er mit zahlreichen Orginalzitaten. Besonderes Augenmerk legt Stabel auf die Zeit des Dritten Reiches, um die brutale und zynische Absurdität des Nazi-Regimes erneut vor Augen zu führen. Fünf 'Fälle' werden untersucht: Mary Wigman, Harald Kreutzberg und Gret Palucca, , Lisa Czobel, die nach dem Krieg von Swaines langjährige Tanzpartnerin sein wird, und Alexander von Swaine.Damit erinnert diese Biografie nicht nur an das künstlerische Schaffen eines der wichtigsten deutschen Tänzer des letzten Jahrhunderts, sondern ist gleichzeitig ein überaus lesenswertes historisches Zeitdokument.
Auf „tanznetz.de“ schreibt Volkmar Draeger über Ralf Stabels neuestes Buch: …“Mit seinem oft fesselnd wie ein Krimi zu lesenden und ansprechend gestalteten Lebensbericht hat er einem bedeutenden Tänzer und noblen Charakter das überfällige Denkmal gesetzt.“…Auch ich habe mich beim Lesen des vorliegenden Buches oft gefragt, was Alexander von Swaine wohl für ein Mensch gewesen sein mag.Die überaus vielen zusammengetragenen Rezensionen über seine Auftritte - immer überschwängliches Lob ob der Technik des Tanzes und der Ausdruckskraft- sind überwältigend. Gern würde ich den Tänzer einmal gesehen haben, Beschreibungen reichen da wohl nicht, machen nur noch neugieriger.Ralf Stabel ist es gelungen in zahlreichen Archiven und im Kontakt zu Menschen, die den Tänzer gekannt haben, Material zusammenzutragen, das ein vielfältiges und ungewöhnliches Künstlerleben dokumentiert.Alexander von Swaine ist auf Tournee in Fernost als der zweite Weltkrieg ausbricht und ihn in Internierungslager in den Dschungeln von Sumatra, in Indien, in die Wüste von Rajputana und in die Vorberge des Himalaya führt. Nach sieben Jahren kommt er nach Deutschland zurück, startet seine Kariere auch hier erneut erfolgreich und ist doch weiter von Fernweh getrieben. Ab 1953 geht es wieder auf Fernost-Tournee.Er, die Tänzerin Lisa Czobel und der Pianist Hartmut Klug. Dieser führt ein Tournee-Tagebuch, aus dem Ralf Stabel zitieren kann. So können wir alle teilhaben an einer sehr exotischen Reise! Die sich wie ein Abenteuerurlaub mit Tanzdarbietungen liest. Die Künstler haben das sicher nicht ganz so locker sehen können, sind aber mit den ungewöhnlichen Auftrittsbedingungen, mit Böden, Beleuchtung, Klima, … zurecht gekommen und wurden auch weiterhin bei jedem Auftritt gefeiert. So hat Alexander von Swaine wohl sein ganzes Künstlerdasein erlebt - umjubelt und auf der ganzen Welt gefeiert!Er übersiedelt in den 1960 Jahren nach Mexiko und beginnt, als Tanzpädagoge zu arbeiten. Auch darüber gibt es durch den Briefwechsel, den er sein Leben lang führt und der vor allem aber von den Empfängern und ihm selbst aufbewahrt wird, noch Zeugnis.Besonders beeindruckend fand ich seine (sinngemäße) Äußerung, er bedaure, dass er keine Schule des modernen Tanzes besucht habe und so keine Lehrmethode kenne, mit der er die Kunst, sich auszudrücken und die natürliche Bewegung zur Musik, seinen Schülern weitergeben könne. Ihm muss bei der Arbeit mit seinen Tanzschülerinnen und Tanzschülern bewusst geworden sein, dass es wohl nicht selbstverständlich ist, sich vollendet zur Musik zu bewegen… Er selbst hatte eine hervorragende klassische Tanzausbildung, die ihm als Ausdruck für dass, was er „zu sagen hatte“ nicht gereicht hat. Er improvisierte. Und dies so beeindruckend, dass er auf der ganzen Welt verstanden wurde.Das Buch, das Ralf Stabel über das Leben des Tänzers Alexander von Swaine geschrieben hat, beleuchtet nicht nur ein schillerndes Künstlerleben sondern durch die Umstände dieses Lebens gleich unsere ganze nahe Vergangenheit mit.Sehr lesenswert für jeden Kunst- und Geschichtsinteressierten!
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